Chronik 1990-2000

Die neue Linie U3 entsteht etappenweise

1990 laufen die Arbeiten für die neue Linie U3 auf Hochtouren. Im März des Jahres ist auch Startschuss der Bauarbeiten an der U6-Verlängerung nach Floridsdorf. Um Platz für den Neubau der Station Spittelau zu schaffen, muss die Zweigstrecke der U6 zur Friedenbrücke abgetragen werden, der Betreib wird daher am 4. März 1991 eingestellt.

Am 6. April 1991 kann die Linie U3 im ersten Abschnitt zwischen Erdberg und Volkstheater den Betreib aufnehmen. Seither gilt sie als wichtige Ost-West-Verbindung der Stadt.

Erinnerungstafel an die U3-Eröffnung in der Station Volkstheater.

Erinnerungstafel an die U3-Eröffnung in der Station Volkstheater.

Im April beginnen auch die ersten Baumaßnahmen für die U6-Verlängerung in den Süden und die Umstellung von Straßenbahn auf U-Bahn-Betrieb. Am 8. November 1991 geht die neu errichtete U6-Station "Westbahnhof" in Betreib, die alte Haltestelle wird aufgelassen und später zugeschüttet.

1992 kommt es zum Übereinkommen zwischen  Land Wien und dem Bund über Intervallverdichtungen auf den Linien U1 und U4, dem Umbau des Pratersterns, der Errichtung einer neuen Wendeanlage in Heiligenstadt sowie 8 Mrd. Schilling Vorfinanzierungsmöglichkeit. Die ersten Stationen entlang der U6-Nord können im Rohbau fertig gestellt werden.

U-Bahn unter der Mariahilfer Straße
Eröffnungszeitschrift der U3

Eröffnungszeitschrift der U3 und Werbeplakate für die neue "Shopping-Linie"

Eröffnungsfahrt der neuen U3 mit Dr. Helmut Zilk. © Wiener Linien Archiv

Eröffnungsfahrt der neuen U3 mit Dr. Helmut Zilk. © Wiener Linien Archiv

Die Strecke unter der Mariahilfer Straße konnte schließlich feierlich am 4. September 1993 feierlich eröffnet werden. Gleichzeitig mit der Verlängerung der U3 bis zum Westbahnhof wurde die gesamte Mariahilfer Straße umgestaltet und etablierte sich in den vergangenen Jahren zu "DER" Shoppingmeile Wiens. Mit der Eröffnung der U3-Strecke wurden die Straßenbahnen 52 und 58, die zuvor noch bis zum Ring fuhren, entlang der Mariahilfer Str. eingestellt.

1993 wurde außerdem die U6-Strecke für den Einsatz von Niederflurwagen adaptiert. Der erster Niederflurwagen der Type T wurde am 5. Dezember 1993 eingesetzt.

Verlängerung der U3 zur JohnstraßeAm 3. September 1994 ging das 3. Teilstück der U3 in Betrieb. Seither fahren die Züge vom Westbahnhof weiter bis zur Johnstrasse. Durch die Eröffnung des neuen 1,5 km langen Teilstücks der U3 erhielt ein weiterer Wiener Bezirk seinen U-Bahn-Anschluss: Rudolfsheim-Fünfhaus (15.) Im Zuge dieser Verlängerung konnte auch ein völlig neues Bezirkszentrum an der vorläufigen Endstelle Johnstraße errichtet werden: der Meiselmarkt. Seit Frühjahr 1995 wird das Gewölbe des ehemaligen Wasserbehälters als Marktfläche mit über 80 Ständen genutzt.

Zur gleichen Zeit, 1994, enden auch die generellen Planung für die U3-Ost-Verlängerung nach Simmering mit deren Wirtschaftlichkeitsbesprechung.

 

1995 Jahr geht die wohl bis heute fragwürdigste U-Bahn-Erweiterung in Betrieb: Die U6 nach Siebenhirten wird am 15. April 1995 eröffnet. Große Teile der neuen Strecke nach Siebenhirten wurden jedoch nicht neu errichtet, sondern nur adaptiert. Der Abschnitt Philadelphiabrücke - Siebenhirten hat eine Länge von etwa 5,2 km und umfasst 6 Stationen. Von 1979 bis zur Umstellung auf U-Bahn-Betrieb fuhr hier die Schnellstraßenbahnlinie 64, welche das Gebiet wesentlich besser versorgte. Aufgrund der niedrigen Auslastung (ca. 19.000 Personen an einem Werktag fahren bis zur Endstelle) endet zur Hauptverkehrszeit jeder zweite Zug bereist in Alterlaa.

Zug der Schnellstraßenbahnlinie 64, © Harald A. Jahn

Zug der Schnellstraßenbahnlinie 64, © Harald A. Jahn

Informationen zur Straßenbahnlinie 64 sowie alte Aufnahmen finden Sie auf www.tramway.at

 

1995 kam es außerdem zum Tunnelanstich für die neue Strecke der U3 nach Ottakring, als Tunnelpatin für den Stollen bei der Kendlerstraße wurde Dr. Helga Häupl-Seitz ernannt, für jenen bei der Hütteldorfer Straße Jutta Steier.

Ein Jahr vor der Eröffnung der U6-Nord-Erweiterung nach Floridsdorf begannen im November erste Testfahrten auf der Neubaustrecke. Am 7. Oktober 1995 wurde bereits die Station Spittelau, welche bald als Umsteigeknoten fungieren sollte, für die U4 eröffnet.

Nach über 12 Jahren Bauzeit konnte die neue U-Bahn-Strecke der U6 nach Floridsdorf am 4. Mai 1996 eröffnet werden. Die U6 ist mit ihren 18km nun die längste U-Bahn-Linie Wiens. An den neuen Haltestellen Spittelau, Jägerstraße, Dresdner Straße, Handelskai, Neue Donau und Floridsdorf können die Fahrgäste nun zu zahlreichen anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, wie unter anderem die Schnellbahn umsteigen.

Bereits am 30. April 1996, gegen 21 Uhr wurde der Betrieb auf der Strecke nach Heiligenstadt eingestellt, den Fahrgästen stand bis zum 4. Mai noch ein Schienenersatzverkehr zur Verfügung. Seit der Verlängerung nach Floridsdorf ist das Umsteigen auf die U4 ins Spittelau möglich.

Im Juni 1996 kam es zum Übereinkommen zwischen Bund und Land Wien über das so genannte 30-Milliarden-Paket, welches den Ausbau der U1 nach Leopoldau und Rothneusiedl und der U6 nach Stammersdorf finanzieren soll. Bad darauf begannen erste Variantenuntersuchung für diese Neubauprojekte.

Der Rohbau für die U3 nach Ottakring war Ende des Jahres fertig gestellt, sodass mit den Innenausbauarbeiten begonnen werden konnte. Juni 1996 war auch der Start erster Rohbauarbeiten für die U3-Ost.

1998 kommt es zur Entscheidung über den Trassenverlauf der neuen U2 nach Aspern, generelle Planungen für die U1-Verlängerung nach Leopoldau beginnen.

Am 5. Dezember 1998 konnte das vorletzte 2,1 km lange Teilstück zwischen der Johnstraße und der Schnellbahnstation Ottakring nach nicht einmal 5 Jahren Bauzeit (exakt 4 Jahre, 9 Monat und 12 Tagen) eröffnet werden. Die Fahrzeit auf dieser neuen Strecke beträgt 3 Minuten, die Züge halten bei der Hütteldorfer Straße, der Kendlerstraße und in Ottakring. Im Zuge dieser Verlängerung wurde auch die Otto-Wagner-Station der Vorortelinie S45 komplett restauriert.

Eröffnung der neuen U3-Strecke nach Ottakring im Dezember 1998  Jetzt kummt die U nach Ottakring

Eröffnung der neuen U3-Strecke nach Ottakring im Dezember 1998

1998 fanden auch die ersten Probefahrten auf der U3-Ost-Erweiterungsstrecke nach Simmering statt, ab September wurden auch Besichtigungen angeboten. 1999 wurde vor allem weiter am Abschnitt der U3 zwischen Erdberg und Simmering gebaut, im Februar konnten außerdem die generellen Planung für die U2-Verlängerung nach Aspern abgeschossen werden.

Bauarbeiten für die U3 nach Simmering, hier im Bereich der Gasometer 

Bauarbeiten für die U3 nach Simmering, hier im Bereich der Gasometer
© Wiener Linien Archiv

Im März 1999 beginnen die Informationsveranstaltungen zur Oberflächengestaltung der U1-Verlängerung Richtung Leopoldau. Zugleich beginnen die Ausschreibungs- und Einreichplanung für U2-Verlängerung nach Aspern. Auch der Umbau der alten U2-Stammstrecke (inklusive Bahnsteigverlängerungen) steht nun fest.

1999 sollte auch der Beginn für eine neue Generation der U-Bahn-Fahrtzeuge darstellen: es wurde ein Prototyp der Type v/V entwickelt, der im März 2000 bei einem Rollout im Herstellerwerk zum ersten Mal der Presse vorgestellt wurde. Mittlerweile prägt auch diese Type den U-Bahn-Alltag in Wien.

1999 kommt es auch zu einem Wandel der gesellschaft: Die Wiener Stadtwerke - Verkehrsbetriebe werden eine privatrechtliche Gesellschaft Wiener Linien GmbH & Co KG.

 

2. Dezember 2000: Die U3 ist mit der Verlängerung nach Simmering komplett ausgebaut - das erweiterte Grundnetz der Wiener U-Bahn fertig gestellt und somit die Ausbauphase 2 abgeschlossen. Nach 4 Jahren, 5 Monaten und 2 Tagen Bauzeit konnte die Strecke den Fahrgästen übergeben werden.

Die neue Strecke mit den Haltestellen Gasometer, Zippererstraße, Enkplatz und Simmering hat eine Streckenlänge von 3,1 km - die Züge benötigen dafür 5 Minuten (einschließlich aller Stationsaufenthalte). Die U3 hat nun eine Streckenlänge von 13,5 km und umfasst 21 Stationen. Die Gesamtfahrzeit auf der Strecke Simmering - Ottakring beträgt 25 Minuten, dabei werden 8 Gemeindebezirke durchfahren.

Eröffnung der U3 nach Simmering  Eröffnung der U3 nach Simmering

Eröffnung der U3 nach Simmering

Das Millenniumjahr brachte eine weitere Neuerung: Auf den Zugzielanzeigen werden seit Sommer 2000 neben Liniennummer und Endstelle auch die Wartezeit bis zum nächsten einfahrenden Zug angegeben. Sobald der Zug in der Station eintrifft wechselt die Anzeige auf ein blinkendes Sternchen.

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