Die Stadtbahn wird zur U-Bahn

von 1976 bis 1989 wurde der Betrieb der Stadtbahn auf U-Bahn umgestellt

Der Beschluss über den U-Bahn-Bau im Jahr 1968 läutete das Ende der Ära Stadtbahn ein. 1971 begannen die Vorbereitungen für einen U-Bahn-Probebetrieb auf der Teilstrecke Friedensbrücke-Heiligenstadt, am 8. Mai 1976 konnte die erste U-Bahn-Linie Wiens mit der Bezeichnung "U4" für den Personenverkehr in Betrieb genommen werden.

Umstellung der Wiental- und Donaukanallinie

Ab Ende 1978 wurde die Donaukanallinie dann etappenweise durch die neue U4 ersetzt. Zuerst ging es von Heiligenstadt zum Schottenring, dann zum Karlsplatz, später zur Meidlinger Haupt­straße, 1981 nach Hietzing und am 20. Dezember 1981 wurde die heutige U4 mit der Erweiterung nach Hütteldorf komplettiert.

Umbau der Station Karlsplatz im Jahr 1980,  © Harald A. Jahn

Umbau der Station Karlsplatz für den Betrieb der neuen U4 im Jahr 1980. © Harald A. Jahn

  • 3. April 1978: Friedensbrücke - Schottenring
  • 15. August 1978: Schottenring - Karlsplatz
  • 26. Oktober 1980: Karlsplatz - Meidling
  • 31. August 1981: Meidling Hauptstraße - Hietzing
  • 20. Dezember 1981: Hietzing - Hütteldorf

Die heutige Linie U4 (ehemalige Wiental- und Donaukanallinie) wurde auf die neuen U-Bahnwagen des Typs "U" mit Stromschienenbetrieb umgestellt.

Die meisten Stationen wurden dabei komplett umgebaut, nur die Stationen Schönbrunn und Stadtpark sind, abgesehen von eingebauten Aufzügen und der Anpassung der Bahnsteige im Originalzustand erhalten geblieben. Bei vielen Stationen wurden die Zugänge zur U-Bahn behalten, die Bahnsteige jedoch komplett neu gebaut. Außerdem wurde der Betrieb von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt.

Linktipp

Viele weitere interessante Bilder der Stadtbahn um 1980 und dem Beginn des U-Bahn-Zeitalters in Wien finden Sie auf www.tramway.at von Harald A. Jahn.

Umbau der Wientallinie
Bilder der Umbauarbeiten für die U4, Station Pilgramgasse (1980).© Harald A. Jahn  Bilder der Umbauarbeiten für die U4, Station Meidling Hauptstraße (1981).© Harald A. Jahn

Bilder der Umbauarbeiten für die U4, Station Pilgramgasse (1980) und Meidling Hauptstraße (1981).© Harald A. Jahn

Letzte Stadtbahn-Strecke entlang der Gürtellinie

Für die Gürtellinie, die noch immer als Stadtbahn bezeichnet wurde, mussten dringend neue Fahrzeuge beschafft werden. In Anlehnung an die damals modernen Fahrzeuge der Wiener Straßenbahn wurden Trieb- und Beiwagen für die Stadtbahn konstruiert.

So wurden 48 sechsachsige Gelenktriebwagen und 46 sechsachsige Gelenkbeiwagen hergestellt, die für die besonderen Verhältnisse auf der Gürtelstadtbahn adaptiert waren. Die Gelenkwagen der Typen E6 (Triebwagen) und c6 (Beiwagen) „Typ Mannheim“ wurden ab 1979 von Lohner bzw. Rotax in Duewag-Lizenz gebaut. Ab 29. November 1980 lösten die modernen Gelenkzüge der Typen E6 und c6 die alten Stadtbahnwagen nach und nach ab - die letzte "rote" Stadtbahn fuhr am 1. Juli 1983.

1985: Stadtbahnzug Type E6/c6 in Meidling
Stadtbahn-Zug 4933 der Linie GD Richtung Friedenbrücke, Ausfahrt aus der Station Meidling Hauptstraße aufgenommen im August 1985. © Hans Heinz Haider 

Stadtbahn-Zug 4933 der Linie GD Richtung Friedenbrücke, Ausfahrt aus der Station Meidling Hauptstraße aufgenommen im August 1985. © Hans Heinz Haider

Am 29. April 1980 beschoss der Wiener Gemeinderat die Bauvorhaben der 2. Ausbaustufe und nannte hierbei auch die Umwandlung der letzten Stadtbahnstrecke in eine U-Bahn-Linie. Die Umbaumaßnahmen entlang der Linien G und GD sahen vor allem die Modernisierung der Stationen vor. Die einmalige Architektur Otto Wagners der Stadtbahn-Stationen konnte großteils erhalten bleiben. Einige Haltestellen wurden jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört, weitere in den 1960er Jahren wegen der Errichtung neuer Verkehrsbauwerke abgerissen.

Im Zuge der Umstellung auf U-Bahn-Betrieb wurden lediglich die Signal- und elektrischen Anlagen komplett erneuert, Stationen und Viadukte renoviert und die Strecke von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt. Von einem Umbau der historischen Gürtellinie samt Stationen auf den sonst bei der Wiener U-Bahn üblichen Betrieb mit Stromschiene wurde wegen des zu hohen Aufwandes abgesehen.

Umbau der Wientallinie
Bilder der Umbauarbeiten für die U4, Station Pilgramgasse (1980).© Harald A. Jahn  Bilder der Umbauarbeiten für die U4, Station Meidling Hauptstraße (1981).© Harald A. Jahn

Bilder der Station Gumpendorfer Straße, 1982 als Haltestelle zwischen Meidling Hauptstraße und dem Westbahnhof, ab 1985 bereits als provisorische Endstelle der Stadtbahn. © Harald A. Jahn

1985 begannen die Bauarbeiten für das neue Verkehrskreuz Längenfeldgasse. Dafür musste das Otto-Wagner-Viadukt und die Rampe komplett modernisiert werden. Der Streckenabschnitt zwischen Gumpendorfer Straße und Meidling wurde daher im April 1985 aufgelassen.

In den Sommermonaten des Jahres 1988 wurde dann die gesamte Strecke sicherungstechnisch vollkommen erneuert. Nach Beendigung der Bauarbeiten verkehrte auch die letzte Stadtbahnlinie ab 5. September 1988 im Rechtsverkehr. Am 31. Oktober 1987 wurde die neue Station Michelbeuern AKH eröffnet.

Der U-Bahn-Betrieb konnte schließlich am 7. Oktober 1989 auf der Gürtelstrecke aufgenommen werden, zugleich wurde die Neubaustrecke zur Philadelphiabrücke eröffnet. Zunächst wurde noch die U6-Streckengabelung zur Friedensbrücke beibehalten, jedoch am 4. März 1991 stillgelegt. Die Trasse wurde abgetragen, um Platz für den Neubau der Station Spittelau zu schaffen.

Das Zeitalter der Stadtbahn endete mit 7. Oktober 1989 endgültig,
genau 91 Jahre nachdem das erste Teilstück eröffnet wurde.

Mit Umstellung von Stadtbahn- auf U-Bahn-Betrieb wurde auch die Straßenbahnlinie 8 eingestellt, was zunächst zu starken Widerstand führte.

Im Zuge der Bauarbeiten für die Kreuzungsstation unter dem Europaplatz und dem Bau der neunen U3 wurde die alte U6-Station Westbahnhof geschlossen und durch eine komplett neu errichtete ersetzt. Dies betraf auch einen Teil der Tunnelstrecke Richtung Burggasse.

Seit 1995 wird mit neuen dreiteiligen Niederflurbahnen der Baureihe T von Bombardier gefahren, mittlerweile werden zusätzlich auch die neuen wagen der Type T1 eingesetzt, welche die letzten Stadtbahnwagen der Type E6/c6 bis Ende 2008 ersetzten.

Am 4. Mai 1996 wurde die neue Strecke der U6 über die Donau nach Floridsdorf eröffnet und der alte Streckenabschnitt nach Heiligenstadt aufgelassen.

Die Zeiten der Stadtbahn sind nun vorbei, jedoch erinnern die kunstvoll gestalteten Haltestelen Otto Wagners noch heute an sie.

wiener-untergrund.at | Copyright © 2004-2010 | Thomas Stadler | Impressum | Sitemap Locations of visitors to this page