Ustrab-Strecken

die Unterpflasterstraßenbahnen Wiens

Wie auch andere europäische Metropolen nahm der Autoverkehr in den 50er Jahren in der Stadt enorm zu, überfüllte Straßen prägten das Stadtbild - eine Lösung wurde gesucht. Da für den U-Bahn-Bau vorerst die Akzeptanz und noch viel mehr das Geld fehlte, versuchte man ersatzweise, vereinzelte Straßenbahnstrecken unter die Erde zu verlegen, um diese zu beschleunigen.

1959 wurde das erste Bauwerk zur Tieflegung der Straßenbahn am Südtiroler Patz eröffnet, 1961 folgte die von den Wienern liebevoll als "Jonasreindl" bezeichnete Station Schottentor. Zu dieser Zeit begannen auch die Arbeiten für die Untertunnelung des Südtiroler Platzes, des Matzleinsdorfer Platzes und der Lastenstraße.

Nach kurzer Bauzeit konnte dann am 8. Oktober des Jahres 1966 die erste Strecke der Unterpflasterstraßenbahn eröffnet werden, sie führte unterhab der Lastenstraße "Zweierlinie" von der Sezession zum Rathaus. Eine weitere Tunnelstrecke wurde Anfang des Jahres 1969 unter dem Südgürtel in Betrieb genommen. Die unterirdische Straßenbahnstrecke in der Innenstadt fiel dem U-Bahn-Bau zum Opfer, hingegen wird heute die Strecke unter dem Gürtel auch heute noch als Ustrab betrieben.

Die Gürtel-Ustrab

Die Bauarbeiten für die Tieferlegung der Straßenbahn im Bereich Südgürtel begannen am Südtiroler Platz im Jahr 1957, eröffnet wurde die Station 1959. Der gesamte Ustrab-Tunnel ging schließlich am 11. Jänner 1969 in Betrieb.

Die Stecke wird heute von den Straßenbahnlinien 1 (bis 10/08 Linie 65), 6, 18 und 62 sowie der Lokalbahn Wien-Baden befahren.

Die 3,3 km lange Strecke beginnt am Margaretengürtel auf Höhe der Flurschützstraße, führt unter dem Gürtel zu den beiden Kreuzungsstationen am Matzleinsdorfer Platz und der Kliebergasse bis zum Wiedner Gürtel. Kurz nach dem Südtiroler Platz befindet sich das Ende des Tunnels. Neben dieser "Stammstrecke" führen zwei Abzweigungen aus dem Tunnel, einmal vom Matzleinsdorfer Platz in die Knöllgasse und von der Kliebergasse Richtung Wiedner Hauptstraße mit einer Station bei der Laurenzgasse.

Streckenverlauf der Ustrab am Gürtel

Seit Umstellung der Zweierlinie auf U-Bahn-Betrieb ist der Gürtel-Straßenbahntunnel die noch einzig verbliebene U-Straßenbahn Wiens. Pläne für eine Zweiglinie der U6 von der Längenfeldgasse Richtung Südbahnhof gibt es schon lange, teilweise wurde dieses Projekt auch als U5 bezeichnet. Der Umbau der Strecke als Voll-U-Bahn wird wohl in Zukunft nicht geschehen, hat man doch zumindest teilweise aus den Fehlern der Zweierlinie gelernt.

Die Strecke selbst ist bei Fahrgästen eher weniger beliebt, da Sie rein gestalterisch einen starken Kontrast zu den U-Bahn-Stationen darstellt. Lange, schlecht einsehbare Verbindungsgänge mit verkachelten Wänden, schlechte Beleuchtung und unangenehme Gerüche: so präsentieren sich die Ustrab-Stationen heute. Um die Jahrtausendwende startete man ein Modernisierungsprogramm, bei dem Aufzüge eingebaut wurden.

Zum 40-Jahre-Bestandsjubiläum wird die unterirdische Straßenbahnstrecke am Gürtel modernisiert. Ab Herbst 2009 werden 11 Millionen Euro in neue Verfliesung, Orientierungssysteme und mehr Licht investiert. Außerdem erhält die Station Blechturmagsse einen Aufzug und wird somit barrierefrei.

Bildergalerie der Ustrab

Die Zweierlinie

Die Straßenzüge des Getreidemarktes, der Museumsstraße, der Auerspergstraße und der Landesgerichtsstraße wurden gleichzeitig mit der Ringstraße erbaut. Ziel war es, den Gütertransport von der Prachtstraße auf die parallel dazu versaufende Lastenstraße zu verlagern. Die entlang der Lastenstraße verlaufenden Tramlinien trugen alle den Index 2 in ihrer Linienbezeichnung, daher der Ausdruck "Zweierlinie".

Mit dem Bau des Tunnels wurde 1963 begonnen. Ursprünglich sollte nur eine unterirdische Station bei der Mariahilfer Straße gebaut werden, jedoch entschied man sich für den Bau eine längeren Tunnels.

Das Kernstück der heutigen U2 geht ursprünglich auf die unterirdische Straßenbahn-strecke entlang der Lastenstraße zurück. Der 1,8 km lange Tunnel zwischen Sezession und Friedrich-Schmidt-Platz wurde im Oktober 1966 eröffnet und von den Linien E2, H2 und G2. Der Tunnel hatte 4 unterirdische Stationen:

  • Mariahilfer Straße (heute Museumsquartier)
  • Burggasse (heute Volkstheater)
  • Lerchenfelder Straße (2003 aufgelassen)
  • Friedrich-Schmidt-Platz (heute Rathaus)

1968 fasste jedoch der Wiener Gemeinderat den Beschluss, die unterirdische Straßenbahnstrecke (Ustrab) für den U-Bahn-Betrieb umzurüsten. Für den Betrieb der U2 wurde daher der Tunnel südlich bis zum Karlsplatz und nördlich bis zum Schottenring verlängert. Zwischen den Stationen Rathaus und Schottentor wurde bereits die Option eine Zweigstrecke nach Währing zu bauen freigehalten, vorerst (und vor allem aufgrund der Baukosten) wurde jedoch nur die Strecke zum Ringturm gebaut. An dieser Stelle befindet sich heute der engste Kurvenradius des U-Bahn-Netzes.

Ustrab als Fehlplanung?

Warum es es sich sowohl beim Projekt Ustrab Zweierlinie, als auch bei der Umstellung auf den U-Bahn-Betrieb um Fehlplanungen handeln musste, erklärt Horst Prillinger auf seiner Webseite www.u-bahn.at.tt ausführlich.

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